Zurück vom Highway to Hüll (Dezember 2008)

Das Freiwillige Soziale Jahr in der Kultur 2008/09 ist zu einem Drittel rum und es gibt einiges zum letzten Bericht nachzutragen.

Wie versprochen gibt es jetzt einen ersten Eindruck von den Seminaren. Während des FSJ Kultur absolvieren alle Freiwilligen fünf Seminare und die Freien Bildungstage. Jedes Seminar hat eine andere Funktion. Klingt kompliziert, ist aber ganz logisch aufgebaut: Am Anfang steht ein fünftägiges Einstiegsseminar, das diesmal Anfang Oktober stattfand. Dort lernen sich alle Freiwilligen aus einer Regionalgruppe kennen, in meinem Fall also alle aus Hamburg, Bremen und den Gegenden dazwischen, insgesamt 42 Leute. Die Seminare finden (fast) alle in Hüll statt, einem Nichts in der Nähe von Himmelpforten. Da gibt es zwar nicht besonders viel zu sehen, aber dafür hat man Zeit, sich kennenzulernen und sich über seine Erfahrungen mit den Einsatzstellen auszutauschen. Außerdem konnten wir auch gleich kreativ werden: In einer Theater- und einer Schreibwerkstatt wurde schon ziemlich viel in kurzer Zeit geschafft, auch wenn das Ganze eigentlich nur ein Einstieg ist für das dritte Seminar, das dann auch „Kreativseminar“ heißt und in dem wir uns Ende Januar je nach persönlichem Interesse mit Fotografie, Film oder Theater beschäftigen werden. Dazwischen liegen noch die Regionaltage, die gerade erst Mitte Dezember stattfanden und auf denen es vor allem um „berufliche Dinge“ im FSJ Kultur geht, also z. B. um Teamarbeit in den Einsatzstellen, Berufswünsche und Stressbewältigung.

Später in 2009 wird es dann noch ein Gesamtseminar mit allen Freiwilligen aus Nordwestdeutschland auf dem Scheersberg und schließlich ein Abschlussseminar geben. Soviel kann ich aber schon jetzt sagen: Die Seminare machen wirklich Spaß, weil man sich in einer ganz lockeren Atmosphäre mal mit Neuem beschäftigen kann, außerdem sind die Leute (fast) alle spannend und offen und nicht zuletzt ist es mal ganz interessant zu hören, was in den anderen Einsatzstellen so passiert. Nur sein Schlafbedürfnis sollte man zurückfahren können…

Im Mittelpunkt der letzten Monate stand aber natürlich die Arbeit in der Stiftung, also z. B. die Mithilfe bei den beiden letzten Preisverleihungen (an Angela Karp und Alice Fröhlich). Das ist vor allem viel Pressearbeit, die ganz schön anstrengend sein kann, weil man natürlich nie der Einzige ist, der ein wichtiges Thema verbreiten möchte. Aber auch die Mithilfe vor Ort gehört dazu, und dort kann man dann auch ganz unterschiedliche und viele beeindruckende Menschen kennenlernen, darunter vor allem die Preisträgerinnen. Mit deren Wirken habe ich mich relativ ausführlich beschäftigt, nicht nur, weil Hintergrundwissen unerlässlich für jede Kontaktaufnahme mit Journalisten ist, sondern auch, weil zum FSJ Kultur in der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. die Betreuung des Netzwerkmagazins gehört. Das bedeutet, dass Beiträge eingesammelt und häufig auch geschrieben werden müssen, Kurzmeldungen und Ausschreibungen zusammengestellt und vor allem passende Bilder gefunden werden müssen. Und in der aktuellen Ausgabe tauchen natürlich auch Angela Karp und Alice Fröhlich wieder auf.

Außerdem gab es zwei dutzend kleinere und größere Aufgaben, die es zu erledigen galt und gilt, vom Abheften und Ordnen bis hin zur Organisation einer kleinen Veranstaltungsreihe zu Werten, dem großen Thema im Programmbereich WerteDialog. Achja, und den Fachtag 360° möchte ich auch nicht vergessen, da war ich nämlich auch in die Vorbereitung eingebunden. Insgesamt hat sich also der Eindruck der ersten Wochen bestätigt: FSJ Kultur, das ist eine unheimlich vielfältige und abwechslungsreiche Zeit!

(Lutz Ohlendorf)


Zum Einstieg (September 2008)

Warum Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur? Und warum gerade bei der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.? Beide Fragen beantworten sich nicht etwa ganz selbstverständlich, denn schließlich muss sich selbst derjenige, der mit dem FSJ seinen Zivildienst ersetzen möchte, erst einmal dafür entscheiden, das ausgerechnet in der Kultur zu tun, und angesichts des breiten Angebots an Einsatzstellen in Hamburg, unter denen sich so renommierte Namen wie die Kunsthalle oder das Schauspielhaus finden, kommt dem Nicht-Hamburger der Name „Alfred Toepfer“ nicht immer gleich in den Sinn.

Ich selbst habe trotzdem für mich auf beide Fragen eine gute Antwort gefunden und will die hier kurz darlegen, um damit nicht zuletzt all denen, die sich für ein FSJ Kultur in Hamburg interessieren ein wenig Orientierungshilfe zu geben:

Für mich war das Wichtigste am FSJ Kultur, dass ich für ein Jahr mal etwas völlig Anderes machen kann als bisher in Schule und Studium. Das wird den meisten so gehen, die sich ähnlich entschieden haben: Man wird mit ungewohnten Aufgaben und Problemen konfrontiert, kann sich einmal auf einem ganz anderen Feld ausprobieren, neue Perspektiven entwickeln und Erfahrungen machen, die man sonst wahrscheinlich nur durch ausführliche Praktika oder einen echten Berufseinstieg im kulturellen Sektor gewinnen würde. Und wer weiß, vielleicht wird sich ja auch mein Berufswunsch am Ende des Jahres entsprechend gewandelt haben…

Und warum nun gerade bei der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.? Weil man hier als FSJler mit ganz verschiedenen Projekten und Themen zu tun hat, von der Kulturförderung über die Pressearbeit und den Internetauftritt bis hin zum Stipendiatennetzwerk und der Hamburger Kinder- und Jugendarbeit. Das klingt furchtbar abstrakt, was macht man denn nun konkret? Nun, viele Texte schreiben, also  z.B. diesen hier, aber auch Pressemitteilungen, Briefe, etc., Telefonate führen, bei verschiedenen Veranstaltungen mitorganisieren, interessante Leute treffen, aber auch typische Büroarbeit. Soweit jedenfalls die Eindrücke der ersten zwei Wochen; momentan bin ich vor allem gespannt, was mich in den kommenden Monaten noch so erwarten wird. Dazu bald mehr an gleicher Stelle. Dann wird es auch einen ersten Bericht von den Seminaren geben, die Pflichtbestandteil des FSJ Kultur sind und – wie mir alle meine Vorgänger versichert haben – zu den Höhepunkten des Jahres zählen.

(Lutz Ohlendorf)


Bergfest (März 2008)

„Und was machst du da so?“ Eine Frage<?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" />, die mir seit einiger Zeit ständig gestellt wird, wenn ich erkläre, dass ich seit sechs Monaten ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur bei der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. mache. Berechtigte Frage, hier ein Antwortversuch.

Ich war Co-Leiter einer Klassenreise bestehend aus lauter Lehrern, habe an diversen Veranstaltungen Ton-, Musik-, Video- und Powerpointtechnik geregelt, obwohl ich zu Beginn eigentlich eine Computerniete war. Ich bin jeden Monat mit einem Schwertransporterteam durch Hamburg gefahren, um ein 800 kg Kunstwerk wandern zu lassen, habe halbtags als Museumswächter gearbeitet und gelernt, dass es schwer ist mit Hamburgs Kultursenatorin einen Termin zu vereinbaren, dass sie aber unendlich viel Zeit hat, wenn 25 FSJler von Ihrer Arbeit erzählen. Mit Officeprogrammen kann ich Dinge anstellen, die ich früher von einem Informatiker erwartet hätte und plötzlich weiß ich wie ich Leute am Telefon „durchstelle“. Auf meiner Visitenkarte steht: Assistenz Kommunikation, das bedeutet: Pressemitteilungen schreiben, Journalisten anrufen, anmailen, anfaxen, anpiepsen, anbetteln und anflehen und natürlich als Redakteur diese Internetpräsenz topaktuell halten. Achja, nebenbei versuche ich Kontakt mit einigen Nobelpreisträgern aufzunehmen, die mir hoffentlich erklären können, was denn nun wirklich wichtig ist.

„Wow, das klingt ja echt spannend!“
Nun, das ist es meistens auch, aber vielleicht ein wenig zu angeberisch formuliert. Um hier nichts zu verheimlichen: das ganze beinhaltet natürlich auch geregelte Bürozeiten am PC und kopieren, eintüten, abheften, archivieren, den Wecker auf halb acht stellen und manchmal einfach keine Lust haben!

Fabio Beelitz, Einstiegsseminar

Gegen solche Dürrephasen gibt es aber ein bewährtes Rezept: Bildungsseminare mit den anderen FSJlern!
Drei von fünf Seminaren sind leider schon verstrichen und ich kann mich kaum auf das nächste freuen, ohne traurig zu werden, dass dann nur noch eins übrig ist. Das klingt vielleicht kitschig, aber man stelle sich eine Art Klassenreise vor mit lauter ungewöhnlichen und unterschiedlichen Menschen, die durch ihre gemeinsamen Interessen in kürzester Zeit geschlossen zueinander finden und ein riesiges kreatives Potential entwickeln. Neben vielen hilfreichen Tipps für die Arbeit in einer kulturellen Einrichtung sind so durch die Anleitung von Profis unglaublich gute Fotos, Filme, Theaterstücke, Hörspiele und Texte entstanden, die eigentlich sofort für teures Geld an den Mann gehen sollten!

Ich glaube ich druck mir diesen Text aus und les ihn jedes Mal vor, wenn ich wieder gefragt werde, was ich denn eigentlich tue. Bis jetzt habe ich nämlich immer nur „ääääh…“ gesagt.

(Alexander Lindh)